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Planen und Umsetzen einer Manga Seite
Erstellt: Mai 2008
Einleitung
Ich achte zudem immer darauf, dass ich die Panels so einteile und auf die Seite setzte, dass diese das größtmögliche Maß an Überschaubarkeit bietet (siehe auch „Vertiefung 1: Paneling“). Die Vorzeichnung Ist die Skizze soweit fertig, kann ich auf einem neuen Blatt mit der sauberen Vorzeichnung, auch Reinzeichnung genannt, beginnen. Hier zeichne ich mit Bleistift alles detailliert vor, von den Panels, über die Personen bis hin zu den Hintergründen. Wenn ihr daran arbeitet geht sorgsam vor, das hier ist nachher eure Grundlage für die Tuschezeichnung! Je genauer und sauberer ihr die Vorzeichnung macht, desto einfacher gelingt in der Regel später auch das Tuschen. ![]() Überlegt euch an diesem Punkt wo ihr Hintergründe einsetzt und wie detailliert diese sein sollen. Passt auf, dass ihr nicht zu wenig aber auch nicht zu viel Hintergründe macht. Für ein gutes Maß halte ich persönlich, wenn ein Drittel bis zwei Drittel der Panels Hintergründe haben welche die Kulisse zeigen. ![]() Achtet auch darauf, dass die Panelrahmen jetzt schon einigermaßen grade werden. Wenn das von Hand nicht funktionier benutz am besten ein Lineal, damit es nicht unordentlich wird, das erleichtert später das Nachziehen mit Feder, Tuschestift oder Pigmentliner. Die getuschte Seite Beim Tuschen werden alle Linien schwarz nachgezogen. Für die Panelrahmen benutze ich einen Multiliner (Größe 1,0 mm) und ein Lineal. Beim Rest arbeite ich mit Tusche und Feder. Wenn ihr das nicht habt könnt ihr hier aber auch mit einem dünneren Multiliner/Fineliner arbeiten. Tusche und Feder hat gegenüber Multi- und Finelinern den Vorteil, dass die Farbe häufig ein dunkleres Schwarz der Linien ermöglicht und beim Radieren nicht so stark ausbleicht. Außerdem ist es mit der Feder einfacher möglich die Strichdicken der Linien während eines Zuges zu variieren und dadurch einen dynamischeren Strich zu schaffen. ![]() Beim Tuschen würde ich raten auf folgende Dinge Acht zu geben:
![]() Lettering und Rastern Lettern und Rastern sind die letzten beiden Schritte die vorgenommen werden bevor eine Seite fertig ist. Beim Lettering wir der Text in die Sprechblasen eingesetzt. Das könnt ihr zwar auch von Hand machen -vorausgesetzt ihr könnt schön gleichmäßig schreiben- meist sieht es aber per PC stimmiger und sauberer aus. Ihr solltet darauf achten, dass der Text eine gute und lesbare Größe hat. Zudem eignen sich am besten Schriftarten mit sehr klaren und einfachen Buchstaben. Schriften mit Schnörkeln und ähnlichem sind eher für Überschriften oder sehr kurzes Texte geeignet, jedoch nicht für längere oder gar mehrere Sätze. ![]() Der Text sitzt idealer Weise so in der Sprechblase, dass zwischen den Buchstaben und der Umrandung der Blase noch ausreichend weißer Raum vorhanden ist. Habt ihr dies nicht, dann kann man den Text schlechter lesen und er wirkt mitunter eingezwängt. Achtet auch immer auf Rechtschreibfehler! Wenn der Text in einem Manga zu viele Fehler hat, kann das die Leser schnell abschrecken. Lest den Text darum immer mehrmals und korrigiert ihn notfalls. Seid ihr euch nicht sicher in Sachen Rechtschreibung und wisst, dass ihr häufig Fehler macht, dann sucht euch jemanden der Korrektur liest (z.B. eure Eltern, Geschwister oder Freunde) oder zieht notfalls wenigstens die Word-Rechtschreibprüfung zu Rate. ; ) ![]() Um eine Seite zu Rastern könnt ihr sowohl traditionell mit selbstklebenden Rasterfolien arbeiten oder aber die Raster per Computer einsetzen. Ich selbst habe vor einigen Jahren mit Folien angefangen, arbeite aber inzwischen aus Kostengründen mit dem Rasterprogramm Comicworks. Beim Rastern eine Seite solltet ihr immer daran denken, dass die Raster den Aufbau einer Seite unterstützen und die Lesbarkeit der Bilder verbessern sollte. Das heißt sobald ihr merkt, dass eure Raster die Seite unübersichtlicher statt besser erkennbar machen, solltet ihr aufmerksam werden und eure Wahl noch einmal überdenken. Wer Interesse an dem Thema hat findet eine genauere Beschäftigung damit auch im Tutorial „Raster & Schraffur“. Vertiefung 1: Das Paneling Bedeutung: Panels = einzelne Kästen/Bilder Paneling = Panel Anordnung Es gibt einige weiterführende Dinge deren Beachtung euch beim Paneling helfen kann. Behaltet auf jeden Fall im Kopf: Je besser euer Paneling, desto besser lässt sich auch euer Manga lesen. Und nur Manga die sich gut lesen lassen machen richtig Spaß. ; ) Euer Paneling ist also für den Lesefluss verantwortlich. Zum Beispiel beeinflusst es ob eure Seiten einen flüssigen oder einen stockenden Fluss beim Lesen haben. Aber auch das Zeitgefühl des Lesers lässt sich darüber steuern, je nachdem ob sich die Seiten schnell oder langsam lesen lassen. Dabei gilt als Orientierung: Viele Panels können der Seite einen nervösen Eindruck verleihen, weniger Panels wirken in der Regel ruhiger. Umgekehrt ist es jedoch so, dass der Leser durch viele Panels länger braucht um eine Seite komplett zu lesen. Das Zeitgefühl des Lesers -gemessen daran wie schnell es nötig wird eine Seite umzublättern- wird also eher einen langsamen Fluss vermitteln, wohingegen man bei wenigen Panels pro Seite schneller mit einem Kapitel durch ist. Dies heißt aber nicht, dass man darum für langsame Geschichten generell besser viele Panels benutzen sollte, denn viele Panels pro Seite machen das Lesen auch zusätzlich anstrengender. Schauen wir uns ein Beispiel an. Das Bild unten zeigt das Paneling so wie es meiner Ansicht nach sein sollte: Klar, strukturiert und übersichtlich. ![]() Wie schon weiter oben erwähnt, solltet ihr auf die Anzahl der Panels pro Seite achten. Folgende Zahlen sind die Werte nach denen ich mich immer richte. 1-7 Panels = Perfekt 8-9 Panels = Kritische Anzahl, aber je nach Falll noch akzeptabel 10 und mehr Panels = Finger weg davon! Neben der Panelzahl solltet ihr aber auch noch die Abstände zwischen den Panels berücksichtigen. Hier habe ich die unterschiedlichen Abstände zur Übersicht farbig eingefärbt. ![]() Violett = Äußerer Rand Rot = Horizontale Abstände Grün = Vertikale Abstände Um ein gutes Paneling zu erzielen, mache ich die roten Abstände (abgesehen von Ausnahmesituationen) immer größer als die grünen. Der Grund dafür ist, dass der Betrachter intuitiv als erstes zum Panel mit dem geringsten Abstand zum vorherigen Panel wechselt, in diesem Fall also immer zum Panel seitlich neben diesem. So kann durch die unterschiedlichen Panelabstände der Lesefluss kontrolliert werden. Den blauen, äußeren Rand solltet ihr dabei besser auch nicht vergessen. Wenn man ihn komplett weglässt, wirkt eine Seite meiner Beobachtung nach viel schneller überfüllt und unübersichtlich. Die Abstände zu den Seiten sind nicht immer ein Muss. An einigen Stellen kann man sie auch weglassen wenn man einen guten Grund dafür hat. Beim linken Beispiel habe ich unten links einen Teil des äußeren Randes weggelassen, beziehungsweise durch ein langgezogenes Panel überdeckt. Solchen Verzicht auf Abstände versuche ich aber nicht zu häufig einzusetzen, bzw. falls doch anderweitigen Ausgleich zu schaffen, da sonst die Übersichtlichkeit darunter leiden kann. ![]() Hier zwei Beispiele wie man es meiner Meinung nach besser nicht machen sollte: ![]() Das linke Beispiel hat viel zu viele Panels. Dadurch werden sie insgesamt sehr klein und es passt wenig Inhalt hinein. Der Leser wird durch die große Anzahl an Panels verwirrt und verliert auch durch die vielen Formwechsel oder Überlappungen schneller den Überblick. Das rechte Beispiel hingegen vernachlässigt die notwendigen Abstände. Der äußere Rahmen fehlt ganz, die horizontalen und vertikalen Abstände sind nur selten vorhanden. Hier sind zwar die Panels größer als im ersten Beispiel, doch die Seite wirkt durch die fehlenden Abstände trotzdem gedrängt und unübersichtlich. Achtet beim Erstellen eures Panelings daher immer darauf, dass klar ist welches Panel zuerst gelesen werden soll und welches folgt. Wenn ihr es uneindeutig macht kann es sein, dass der Leser in der verkehrten Reihenfolge liest und darum die Szene nicht versteht. Es ist generell ratsam auch mal zu schauen wie Profis das Paneling machen. Sucht euch einen Manga von dem ihr der Meinung seid, dass er sich besonder gut und flüssig lesen lässt und schaut euch an wie der Zeichner das angestellt hat. Abgesehen davon gilt natürlich auch hier immer: Probieren geht über studieren. Expereimentiert mit den Größen und Formen der Panels und versucht den für euch optimalen Rhytmus zu finden. Vertiefung 2: Kontraste Das Paneling stimmt, ihr habt euch viel Mühe bei der Linienführung gegeben und sogar sorgsam Hintergründe gezeichnet. Doch trotzdem: Irgendwie wirkt eure Seite leer... Das häufiger mal und manch einer versucht dies durch starken Rastereinsatz auszubessern. „Wenn ich Raster benutze, dann kann es gar nicht mehr leer aussehen!“ denkt man sich in dieser Situation vielleicht. Testen wir einmal aus, was dann passieren könnte. Wir haben hier eine Seite mit vielen großen leeren weißen Flächen: Der Hintergrund im ersten Panel, die Straße im zweiten Panel, der Himmel und das Meer im dritten Panel und noch einige mehr. ![]() Schauen wir jetzt, was passiert wenn man versucht diese gefühlte Leere etwas ungeschickt durch einen ganzen Haufen Raster auszugleichen. ![]() Wirklich „leer“ ist sie auf jeden Fall nicht mehr. Jedoch sind die Flächen nun zwar gefüllt, aber irgendwie scheint das Ergebnis doch noch nicht so ganz überzeugend. Für diesen Eindruck gibt es mehrere Erklärungen: In dem Maß in dem die Seite anfangs leer erschien, ist sie nun mit gleich sechs verschiedenen Rastern schon fast überbelegt. Das bedeutet viele Raster sind nicht automatisch eine gute Lösung. Im Gegenteil. Denn gegenüber der Ursprungsseite haben sie die Flächen zwar gefüllt, die Gesamtansicht der Seite aber nicht großartig übersichtlicher gemacht. Hinzu kommt, dass die Rasterflächen alle fast gleich grau sind und dabei eine ähnliche Wertigkeit aufweisen. Das bedeutet, sie sind an vielen Stellen ungefähr gleich hell und heben sich nicht genug voneinandner ab. Das Zauberwort zur Lösung dieses Problems heißt daher: Hell-Dunkel-Kontraste. Auch dafür gibt es ein Beispiel: ![]() Bei dieser Seite habe ich die Raster im Vergleich zur Vorversion reduziert und dafür Flächen mit verschiedenen Wertigkeiten eingefügt: Sehr helle Flächen (Weißflächen), graue Flächen (Rasterfolie und Schraffuren) und sehr dunkle Flächen (Schwarzflächen). Zusammengenommen schaffen sie auf der Seite eine höhere Kontrastwirkung, die Panels erscheinen dadurch klarer. Die Seite gewinnt meiner Meinung nach meist an Ausdruckskraft dazu, wenn man sich traut auch schwarze Flächen einzusetzen und diese im Wechsel mit unterschiedlich hellen anderen Flächen zu verwenden. Zugegeben, dieses Beispiel ist ein relativ extremes, man muss nicht zwangsläufig genauso dunkel werden. In welchem Maß man diese Technik einsetzt hängt vom jeweiligen Zeichner ab, aber ganz vernachlässigen sollte man die Kontraste meiner Meinung nach im eigenen Interesse nicht. Vertiefung 3: Zusätzliche Orientierungshilfe zum Paneling 1. Welches Format gebe ich meinem Panel? Beim Gestalten der Panelformen habt ihr grundsätzlich (schräge Panels erst einmal außen vor gelassen) drei verschiedene Formate zur Auswahl: Das Quadrat, das hochformatige Rechteck und das querformatige Rechteck. Wenn es darum geht sich für eins dieser drei zu entscheiden ist es sinnvoll auf den Inhalt des Panels Rücksicht zu nehmen. ![]() Möchtet ihr eine besonders weit ausgedehnte Landschaft zeigen ist es nicht gerade vorteilhaft sie in schmales, hochformatiges Panel zu stopfen, da dadurch das gewünschte Gefühl der Weite verloren gehen kann. Möchtet ihr einen Sprung oder einen Fall darstellen kann es aber hilfreich sein ein hochformatiges Panel zu benutzen, da dies die Höhe unterstreicht. Darum solltet ihr euch bei jedem Panel fragen „Was möchte ich eigentlich abbilden?“. Bevor man das nicht weiß ist es schwer das Panelformat festzulegen. Es ist also gut sich schon recht früh zu überlegen welche Panelausdehnung die Handlung am besten widergeben kann ohne, dass irgendetwas beschnitten wird was wichtig ist. 2. Wie groß mache ich die einzelnen Panels? Die Größe der Panels lässt sich in vielen Fällen entsprechend ihrer Wichtigkeit anlegen. Wenn der Inhalt eines Panels besonders wichtig ist, könnt ihr diesen durch ein sehr großes Panel optisch betonen und dadurch seine Bedeutung nochmal hervorheben. Ist ein Panel nur durchschnittlich wichtig, bekommt es folglich nur eine Durchschnittsgröße. Die mögliche Größe der restlichen Panels hängt anschließend aber auch noch von der Gesamtpanelzahl pro Seite ab. Wenn ihr viele Panels auf eine Seite zeichnet bleibt für jedes einzelne selbstverständlich nicht so viel Raum zu Ausdehnung übrig. ![]() Meiner Meinung nach habt ihr bei der Festlegung der Panelzahl und Panelgröße pro Seite relativ viel Spielraum für persönliche Vorlieben. Manch einer benutzt gerne nur 3-4 Panels pro Seite, ein anderer eher 5-7 Panels. Solange ihr nicht über 8-9 Panels hinauskommt solltet ihr eigentlich noch auf der sicheren Seite sein, egal wie viele Panels ihr nun genau nehmt. Bei der Ermittlung der Panelgröße die für einen als Zeichner persönlich ideal ist gehe ich selbst meist nach Gefühl vor. Ich suche mir eine Größe aus auf der ich mich wohl fühle und auf der ich z.B. die von mir gewünschte Detaildichte unterbringen kann. 3. Schräge oder gerade Panelrahmen? Schräge Panels sind am besten dann zu benutzen, wenn man eine gewisse Schnelligkeit in die Szene bekommen möchte. Das kann ganz typisch bei Kampfszenen der Fall sein, aber auch andere Situationen sind denkbar. Zum Beispiel wenn jemand schnell und panisch nachdenkt kann ein Anschrägen der Panels Sinn machen. Es muss also nicht immer körperliche Schnelligkeit sein, es sollte sich aber dennoch um Szenen handeln in der man den raschen Verlauf betonen möchte. ![]() Für wichtig halte ich dabei solche Panels eher gezielt (Beispiel rechts) einzusetzen. Wenn es für den Inhalt einer Szene nicht notwendig ist schräge Panels zu benutzen, solltet ihr lieber wieder auf normalen rechteckige Formen zurückgreifen. Das hilft dabei den besonderen Effekt über die Seiten hinweg zu erhalten und zu verhindern, dass er mit der Zeit zum Standard (und somit wirkungslos) wird. Dies könnte z.B. passieren wenn man sehr häufig Aufteilungen wie auf der linken Seite einsetzt. Abschluss Die vorgestellten Beispiele sind nur eine ganz grobe Übersicht wie ihr solche Seiten gestalten könntet, aber noch weiter ins Detail zu gehen würde ewig dauern, da das Gebiet sehr umfangreich und komplex ist. Ich kann nur jedem ans Herz legen sich auch selbst Gedanken zu diesen Themen zu machen, Werke von anderen Zeichnern zu analysieren und somit selbständig Wissen anzusammeln auf das man zurückgreifen kann. Vielleicht hilft das Tutorial aber zumindest den Neueinsteigern unter euch dabei sich grob zu orientieren und zu schauen wie man so etwas angehen kann.
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