• home
  • about us
    • general
    • projects
    • profiles
  • contact
    • contact us
    • guestbook
    • links
  • gallery
    • traditional
    • digital
    • monochrome
    • fanarts
    • projects
    • photos
    • sketch blog
  • prose
    • general infos
    • Gesellschaftsfähig
    • Die 4 Elemente
    • Licht und Dunkel
  • tutorials
    • Aquarell
    • colored pencils
    • Zeichentusche
    • Raster und Schraffur
    • Mangaseiten
    • Gemischte Tipps
    • Photoshop 1
    • Photoshop 2
  • comic projects
    • Limit
    • Neuland
    • Great Heaven
    • Try and Error
    • Annie
    • Kibo
    • Yume o miru


Die 4 Elemente

Kapitel 1: Aera - Wind (Luft)



Only available in German!

Wind kam auf. Er brachte die blühenden Bäume zum Rascheln. Ein beruhigendes Geräusch. Auf einer Bank unter einem der vielen Bäume in dem Garten saß eine junge Frau. Sie hielt die Augen geschlossen. Ihr langes hellblondes, fast weißes Haar wehte im Wind. Sie seufzte und öffnete langsam die Augen. Der Wind ließ nach. Aera blickte auf. Weiße Schäfchenwolken jagten über den blauen Himmel. Friede herrschte. Aera musste lächeln. Sie lebte schon seit zehn Jahren hier in diesem kleinen, gemütlichen Haus, weit entfernt von irgendwelchen Städten.
Seit drei Jahren war sie nun schon alleine. Doch war sie nicht wirklich allein. Einer war immer bei ihr. Der Wind. Die Luft um sie herum. Aera atmete tief ein. Sie war ruhig wie fast nie. Gerade in letzter Zeit war sie unruhig gewesen. Sie hatte gespürt, dass sich etwas in ihrer Umgebung geändert hatte. Der Wind hatte ihr davon berichtet. Sie war nervös geworden, denn sie wusste, dass nun die Zeit drängte. Doch vor zwei Tagen hatte sie dann noch etwas anderes gespürt. Es war kaum merklich geschehen, doch in der Luft gab es eine Veränderung. Sicher nicht überall, aber um Aera herum hatte sich die Luft geändert um ihr etwas mitzuteilen. Der Wasseranteil in der Luft war um ein Geringes gestiegen. Und für Aera war dies ein Zeichen. Das Zeichen dafür, dass sie nun nicht mehr lange allein sein würde. Nicht mehr lange die einzige Herrin sein würde.

Aera begann die Vergangenheit in ihren Gedanken auferstehen zu lassen. Sie dachte über ihr Leben nach. Bis zu ihrem zehnten Lebensjahr war sie eine Außenseiterin gewesen. Sie hatte keine Eltern besessen, niemanden, der sich um sie kümmerte. Sie hatte auf der Straße gelebt, hatte sich von Anfang an durchkämpfen müssen. Und dann, genau an ihrem zehnten Geburtstag hatte eine Frau vor ihr gestanden. Sie war alt und sehr klein. Nicht viel größer als Aera selbst. Doch hatte diese Frau eine Ausstrahlung, die sie bis dahin noch bei keinem Menschen gespürt hatte. Die Frau hatte sie angesehen und gelächelt. Mit einer sanften ruhigen Stimme hatte sie dann zu dem kleinen Mädchen gesagt: „Ich weiss, dass du heute zehn Jahre alt wirst. Mein Geschenk für dich ist, dass ich dir ein zu Hause geben werde. Von nun an wirst du bei mir leben.“

Die Bestimmtheit mit der die Frau gesprochen hatte, gab Aera gar keine andere Möglichkeit als zuzustimmen. Sie war mit der Frau hinaus aus der Stadt gegangen und war zu ihr in ihr Haus gezogen. Ein paar Jahre später erst hatte ihr die Frau, die sie seit dem ersten Tag nur noch Großmutter genannt hatte und für die sie auch so gefühlt hatte, erklärt, dass es ihr Schicksal sei, Aera an ihrem zehnten Geburtstag zu treffen und sich weiter um sie zu kümmern.
Aera verstand schon immer viel unter dem Wort Schicksal. Sie hatte immer gewusst, dass der Wind ihr Schicksal war. Seit sie denken konnte, hatte sie eine Bindung zum Wind, die für andere Menschen nicht begreifbar war. Darum wurde sie von klein auf gemieden. Viele hatten Angst vor ihr. Besonders in der Stadt, in der sie gelebt hatte. Von der Großmutter hatte Aera dann erfahren, dass das daher kam, weil die Menschen in den großen Städten nicht mehr viel mit Magie am Hut hatten. In kleinen Dörfern lernte Aera dann eine andere Art von Menschen kennen. Dort hatte niemand Angst vor ihr. Im Gegenteil. Ihr Bündnis mit dem Wind wurde als eine besondere und schöne Gabe angesehen. Die Kinder waren vernarrt in Aera. Sie liebten es, wenn das stille Mädchen sie mit dem Wind tanzen und spielen ließ. Doch für Aera kam diese Art der Anerkennung zu spät. Sie vertraute und liebte nur noch ihre Großmutter. Sie lachte nie, wenn andere Menschen dabei waren und sagte kaum ein Wort. Sie fand, dass übermäßiges Reden einfach überflüssig war. Sie sagte nur dann etwas, wenn sie es für wichtig hielt. Und ihre Großmutter hatte nie versucht, ihr etwas anderes beizubringen.
„So bist du nun einmal und so sollst du bleiben.“, hatte sie immer zu ihr gesagt.

Und Aera blieb dabei. Als die Großmutter dann nach sieben Jahren gestorben war, blieb Aera allein im Haus. Sie zog nicht fort um nicht allein zu sein. Im Gegenteil. Nun begann sie erst richtig mit ihren Übungen als Herrin des Windes. Sie begann zu lernen, wie sie mit dem Wind umgehen musste, wie sie mit ihm kämpfen konnte. Sie wurde zur Verbündeten des Windes.

Nach weiteren zwei Jahren wurde Aera unruhig, denn sie wusste vom Wind von ihrem weiteren Schicksal. Er hatte ihr die Lieder der Prophezeiungen gesungen. Sie wusste von den anderen Herren und dass sie bald erwachen würden, erwachen mussten. Und so hatte Aera gewartet. Jeden Tag saß sie da und horchte auf das Lied des Windes, auf die Schwingungen der Luft. Sie wartete auf Veränderungen, die ihr zeigten, dass etwas geschah. Als sich dann die Luft nach einem Jahr veränderte, stand Aera auf und begann zu singen und schickte ihr Lied mit dem Wind über das ganze Land, über die ganze Welt, auf dass es von dem gehört würde, der für die Veränderung verantwortlich war.
Eines Tages dann sollte Aera nicht länger allein sein. Es klopfte an ihrer Tür. Davor stand jemand in einem weiten Umhang gehüllt. Als er die Kapuze abnahm, blickte Aera nicht in das Gesicht eines Menschen.




» Weiter zur Kapitel 2